Verständnis fängt mit Verstehen an

Vor einiger Zeit habe ich meinen Kunden mal einen Fragebogen gegeben. Mich hat interessiert was ihre Sorgen, Beweggründe und Ziele sind.

Und da war eine Frage: Was wünschst du dir am meisten? Und eine Antwort hat es gut zusammengefasst:

„Das sich ein dickes (unsichtbares) Band zwischen meinem Hund und mir über die Zeit entwickelt und wir zu einem Team zusammen Wachsen!“

Was für eine großartige Antwort und vor allem schöne Sicht auf mein Motto: Als Team zum Ziel!

Ein Team bilden kostet Zeit und muss sich entwickeln. Ein echtes Team sein erfordert Vertrauen, Respekt, Verlässlichkeit und vor allem auch gemeinsame Erfolgserlebnisse!

Und wenn man ein Ziel „erreichen“ will, muss man auch der ein oder anderen Verleitung, Verlockung etc. widerstehen. Und das fällt einem leichter mit einem Teampartner, der einen begeistern und immer wieder motivieren kann.

Und ja, gerade Welpen- und Junghundebesitzern fällt oft das schwer. Vor allem wenn es der erste Hund ist.

Und da passt eine weitere Antwort aus dem Fragebogen ganz hervorragend.

Was erwartest du vom Training/Trainer?

„Das ich als unerfahrener Hundebesitzer auf das große Ganze vorbereitet werde, was ich beim ersten, vielleicht auch beim zweiten Hund noch nicht abschätzen kann.“

Diese wunderbare Antwort kam von Jemandem, der schon sehr viele Hunde hatte und definitiv einen guten Blick auf das große Ganze hat!

Wie bekommt man aber das dicke, unsichtbare Band oder den Blick für das große Ganze?

Es hilft schon mal sich als Mensch in die Situation des Hundes zu versetzen. Klar sind wir kein Hund aber wir sind soziale Wesen mit Bedürfnissen, Talenten und der ein oder anderen speziellen Verhaltensweise;o)

Nehmen wir die Situation Gruppenstunde mit jungen Hunden.

Wie würden wir uns fühlen, wenn wir mit unserem „Teampartner“ auf einen Abenteuerspielplatz kommen und nur zu hören kriegen: setz dich doch mal hin, blende doch die tollen Sachen einfach aus, schalte die Nase aus und ignoriere den Duft von Popcorn, Eis und Bratwurst (natürlich ersetzbar mit Mäusen, Mist, Leckerli, Wildspuren) und interessier dich nur für mich.

Ok… wir würden vielleicht noch fragen: was ist denn bei dir so von Interesse?

Und dann kommt leider oft: mir ist kalt ich bin genervt, ich sehe nur was nicht funktioniert…

Lässt sich auch auf das Leben als Erwachsener übertragen… Tolle Veranstaltung, super Musik, großartiges Buffet. Und der Teampartner sagt: neee, tanzen echt nicht. Die Musik ist viel zu laut hier… Buffet? Ach nee, ich habe es mit dem Magen, ich habe schon zu Hause gegessen. Infostände? Ach nee, ist mir zu voll, ich google das Zuhause. Andere Menschen? Ich kenne die doch gar nicht.

Was würden wir tun? Den Abend neben einem mies gelaunten Teampartner verbringen oder dann eben allein ans Buffet, auf die Tanzfläche etc.?

Und plötzlich hat man dann doch ein wenig Verständnis für den jungen Hund der sich in Anbetracht der Verlockungen um ihn herum auch für andere Dinge interessiert.

Verständnis fängt mit Verstehen an! Und sich selbst in die Lage des Teampartners versetzen ist ein guter Ansatz.

Es weckt den Blick für das große Ganze! Oder um es mit Francis Picabia zu sagen: „Der Kopf ist rund, damit das Denken die Richtung ändern kann.“

© Text und Bild: Melanie Stühler
Illustration: http://www.skyjackstudios.com/