von Melanie Stühler
Vorausschauende Fürsorge
Heute ist Nikolaustag … überall gefüllte Stiefel und Socken.
Socken! Für die meisten sind sie einfach nur Behälter für Süßigkeiten, kleine Geschenke – oder eben das, was man morgens im Halbschlaf aus der Wäschekiste fischt, um nicht mit kalten Füßen durchs Leben zu stapfen. Viel mehr Bedeutung haben sie oft nicht.
Für mich aber stehen Socken für liebevolle, vorausschauende Fürsorge. Für etwas, das nicht nur meine Füße wärmt, sondern mein Herz gleich mit.
Die Kiste auf dem ersten Bild ist deshalb meine persönliche Schatztruhe. Und das zweite Bild zeigt ihren Inhalt: meinen lebenslangen Vorrat an handgestrickten Oma-Socken.
Socken gestrickt hat sie schon immer. Aber mit Ende 80 begann sie plötzlich, mir jeden Monat ein bis zwei Paar zu stricken. Wenn ich sie fragte, wann ich diese unfassbare Menge jemals tragen solle, kam stets dieselbe Antwort – trocken, klar und mit einer Prise Oma-Weisheit:
„Kind, ich werde nicht ewig leben. Und du wirst ganz sicher niemals Socken stricken. Also sorge ich lieber vor, damit du für den Rest deines Lebens gut ausgestattet bist.“
Was das mit Hunden und Training zu tun hat? Erstmal – nichts. Gar nichts. Aber eigentlich … alles.
Denn genau wie im echten Leben gilt auch für unsere Hunde: Je besser wir sie auf das vorbereiten, was ihnen begegnen kann, je mehr wir ihr sicherer Hafen sind, desto leichter kommen sie mit dem Leben klar.
Eine solide Basis zu schaffen und sich (und dem Hund) dafür Zeit zu nehmen, das ist vorausschauende Fürsorge.
Auch wenn viele lieber gleich anwenden statt beibringen würden – diese Phase überspringt man nicht straffrei. Sie schenkt uns unendlich viele Möglichkeiten. Und sie bereitet so wunderbar auf das vor, was kommt. Genau wie ein Schrank voller Socken, die einen durchs Leben tragen – warm, weich und mit ganz viel Liebe gestrickt.
„Tiefe Wurzeln werden von keinem Sturm erreicht.“ — Chinesisches Sprichwort